Wie ein Schreiben vom Grundbuchamt mich wieder an meinen eigenen Wert erinnerte

Ich habe kürzlich mein Haus verkauft. Durch den Umzug an die Schweizer Grenze und die Themen, die ich die letzten Monate für mich gelöst und integriert habe, war es an der Zeit es loszulassen.
Es war der Dienstag nach dem Vollmond im Löwen. Ich hatte nach der Arbeit den Impuls meine Mails zu checken, einen Expliziten Account. Was ich neben all‘ den Newslettern und Rabatt-Erinnerungen vorfand, war eine Mail vom Notar.
Er bat aufgrund des Anhangs, um Meldung beim Grundbuchamt. Der Inhalt des angehängten Schreibens lautete ungefähr wie folgt:

„Wir bitten um Begründung weshalb die Verkaufssumme sich erheblich von dem Bodenrichtwert des Grundstücks unterscheidet.“

In mir fühlte ich einen kurzen Anflug von Panik und Angst, da ich – um ehrlich zu sein – schon etwas ungeduldig auf den Feststellungsbescheid wartete, um endlich das Geld zu bekommen. Um mein Nervensystem zu beruhigen atmete ich kurz ein und etwas länger aus, dreimal. Eine Hand legte ich dabei auf mein Herz und eine auf meinen Bauch, um meinen Körper noch mehr zu spüren.
Dann entschied ich mich aufgrund der Uhrzeit und meiner Müdigkeit dazu, jetzt nicht mehr zu antworten.

Was dann geschah hat mich noch tagelang begleitet, da es so eine berührende und tiefe Erfahrung war.

Ich ging ins Badezimmer, um mich bettfertig zu machen. In mir stieg plötzlich eine Wärme vom Bauch über den Herzraum zum Kopf und als Tränen aus meinen Augen. Meine Knie wurden weich und ich setzte mich auf den Badeteppich. Ich lies das Gefühl von Traurigkeit und Wut zu, ohne gleich zu wissen woher sie kamen. Wenn ich nämlich eins in den letzten Jahren gelernt habe, dann ist es zu weinen und die Tatsche, dass alle Gefühle gesehen und angenommen werden wollen. Denn erst dann können sie auch wieder gehen.
Als ich da so weinend saß, kam mir wie aus dem Nichts die folgenden Gedanken:
Ich habe meine Gaben, Stärken, Wertgegenstände, etc. seit je her unter meinem Wert hergegeben. Teilweise habe ich mich auch ausnutzen lassen. Noch dazu ist es nicht nur mein Thema. Es besteht ein kollektiver/transgenerationaler Zusammenhang. Frauen werden seit Anbeginn der Geschichte um den Wert ihrer Gaben betrogen oder sind dafür ermordet  worden. Sie hatten gelernt still zu sein und nicht aufzufallen.

Ich saß da also, das Gesicht nass von Tränen, immer noch weinend auf dem Boden. Dann fing ich mit  Ho’oponopono an, um mir selbst zu vergeben. Dafür, dass ich so oft Menschen unterstützt habe ohne meine eigenen Grenzen zu wahren. Dinge verschenkt oder Geld nicht angenommen habe, weil ich dachte es steht mir nicht zu. Zum Schluss mir selbst für die Selbstkritik.
Vielleicht kennst du dieses Gefühl oder bist selbst eine Person, die gerne und selbstlos gibt. Mir ist es an dieser Stelle wichtig zu betonen, dass ich gerne helfe und das auch okay ist. Menschen zu unterstützen und sie zu inspirieren ist mein Purpose.
Jedoch ist es essentiell sich selbst und seine Grenzen dabei zu wahren und auszudrücken. Sei es mal ein klares „Nein“ oder einen bestimmten Betrag für etwas zu verlangen, dessen eigentlicher Wert unbezahlbar ist.

Nach kurzer Zeit kam mir das Lied „Wenn du mich lässt“ von LEA ins Bewusstsein. Ich spielte es in Dauerschleife ab und musste noch mehr weinen. Gleichzeitig sang ich mehrmals für mich mit und schaffte es währenddessen aufzustehen, um mich selbst dabei im Spiegel anzuschauen. Es war ein sehr intimer Moment, der etwas sehr tiefsitzendes für mich löste.

Mir kamen mehrere Situationen und Gedanken während des Prozesses hoch. Ich beweinte sie, vergab mir und sprach auch die Wut über Personen und deren Handlungen aus. Der ganze Prozess dauerte etwas eine halbe Stunde.

Dann fühlte ich mich innerlich leer.
Erleichtert.
Ich hatte neuen Raum in mir geschaffen.

Ich ging duschen um die restlichen Energien von mir abzuspülen.
Als ich schließlich im Bett lag umarmte ich mich selbst, mit einem breiten und dankbaren Lächeln im Gesicht.

Am nächsten Morgen verfasste ich direkt die Mail an die Dame vom Grundbuchamt und Worte flossen nur so aus mir heraus. Es fühlte sich so leicht und stimmig an.
Und ja. Ich habe mich am Ende der Mail bei Ihr dafür bedank, dass ihr Schreiben mir diese Erkenntnis gebracht hat.

Und die Essenz?
Du bist einzigartig und wertvoll. Niemand außer dir kann über deinen Wert und deine Gaben bestimmen.

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