Dieser Blog-Artikel ist wieder etwas persönlicher. Wie du dem Titel entnehmen kannst, soll es heute darum gehen, was passiert, wenn du anfängst dich selbst zu reflektieren und eigene Themen zu bearbeiten. Die deutsche Sprache, so kompliziert sie auch manchmal zu scheinen mag, birgt in der Bedeutung ihrer Wörter oftmals wahre Schätze.
So möchte ich erst einmal mit der Bedeutung des Wortes Persönlichkeitsentwicklung starten. Das Wort «Person» an sich stammt vom lateinischen «persona« und bedeutet im Ursprung «Maske» eines Schauspielers. Daraus entwickelte sich im Laufe der Zeit die Bedeutung Rolle/Charakter. Das Wort Persönlichkeit bezeichnet also die Gesamtheit der Eigenschaften eines Menschen, die sein Denken, Fühlen und Verhalten prägen.
Das Wort «Entwicklung» hat seinen Ursprung im «entrollen» oder «auswickeln» einer Schriftrolle. Es ist seit dem 16. Jahrhundert gebräuchlich, leitete sich vom niederländischen ontwikkelen = „entfalten“ ab und wurde auch im Wörterbuch der Gebrüder Grimm so festgehalten. In der heutigen Zeit beschreibt es die Veränderung und Entfaltung über die Zeit.
Persönlichkeitsentwicklung ist ein Wort, welches ich dank Gerald Hüther wieder benutze. Gleichzeitig hat sich das Wort zu einer Art Hype der Selbstoptimierung entwickelt. Daher war es mir persönlich wichtig nochmal die Bedeutung zu erklären. Für mich hat Persönlichkeitsentwicklung nämlich nichts mit Selbstoptimierung zu tun. Es ist ein Begriff der einen Prozess beschreibt, der die Kraft hat, das ganze Leben zu verändern.
Vielleicht kennst du das Gefühl bzw. die Situation, dass du an einem bestimmten Punkt in deinem Leben dir eine der folgenden Fragen gestellt hast:
- Wer bin ich eigentlich? (und wie viele 😉)
- Soll das alles gewesen sein?
- Möchte ich den Rest meines Lebens in diesem Zustand/dieser Situation verbringen?
Bist du an diesem Punkt schon mal angekommen oder auch gerade jetzt dort, hast du zwei Möglichkeiten.
Möglichkeit 1: Du kommst zu dem Entschluss «es ist schon alles gut so wie es ist» und lebst weiter dein Leben. Fertig.
Möglichkeit 2: Du gehst den Fragen auf den Grund und bringst damit einen riesigen Stein ins Rollen.
Auf Möglichkeit zwei möchte ich nun tiefer eingehen. Du kannst es dir blidlich wirklich vorstellen, als würdest du auf einem Berg stehen und hast mit den Fragen einen riesigen Stein entdeckt. Indem du jetzt anfängst den Fragen auf den Grund zu gehen setzt du den Stein in Bewegung. Und wie das so ist, mit Dingen, die ins Rollen kommen, sie lassen sich nur schwer aufhalten.
Was meine ich damit? Der Augenblick, in dem du dich entscheidest, einen anderen Weg zu gehen als bisher, dort beginnt dein Wachstum. Sobald du dich mit deinen Themen auseinandersetzt, fängst du auch an Dinge im Aussen anders wahrzunehmen. Du hinterfragst womöglich Beziehungen, deinen Job und vor allem eigene Verhaltensmuster und Denkweisen.
Als ich damit angefangen habe, hat es sich anfänglich wie ein Befreiungsschlag angefühlt. Denn, wenn du merkst, wie eigewickelt dein wahrer Kern die ganze Zeit war, durch Erwartungen der Familie und Gesellschaft, Normen, Rollenbilder, Kultur, Religion und so weiter, fühlt sich das Auswickeln wie ein tiefer Atemzug in den Bergen an.
Doch warum jetzt diese Überschrift, wenn doch alles so großartig ist?
Weil auf dem diesem Weg eben nicht immer alles grün und mit rosa Zuckerstreuseln bedeckt ist. Der Weg zu deinem wahren Kern, deiner wahren Identität, deiner Seele konfrontiert dich auch mit Schattenthemen. Es kann auch sein, dass er dich weg von Freundschaften und einer eigenen Ursprungsfamilie führt. Und das kann sehr schmerzhaft sein. Du wirst an Punkte kommen, bei denen du dir sehr wahrscheinlich denkst: «Warum habe ich damit überhaupt angefangen?» Wir sind uns dem Ausmass dieses Prozesses oftmals nicht bewusst. Wie auch? Was wir erleben, haben wir zuvor noch nicht erlebt. Das heisst wir haben keinen Vergleich und das Unbekannte macht uns Menschen erstmal Angst. Unser Gehirn ist auf Sicherheit programmiert, um unser Überleben zu sichern. Sobald wir die Verbindung zu Menschen verlieren – und in diesem Prozess ist es, auch wenn du Gleichgesinnte oder Therapeuten an deiner Seite hast, üblich sich einsam zu fühlen – schlägt unser Gehirn Alarm und möchte uns vor der Gefahr der «Vereinsamung» retten.
Zurück zu dem Stein der nun im Rollen ist. Sobald du anfängst Dinge zu hinterfragen und auch zu sehen/zu erkennen, kannst du nicht mehr wegschauen. Dieser Stein rollt.
Er sollte auf dem Weg auch mal Pause machen, um Erkenntnisse zu integrieren und sich von den Untergründen, über die er gerollt ist zu erholen. Das ist sehr wichtig und wird in dem anfänglich erwähnten Selbstoptimierungshype oftmals vergessen.
Gleichzeitig fühlt es sich so an, als solle der Stein rollen. Wie eine Murmel in einer Murmelbahn. Die Bahn ist das Leben, dein Weg und du bist die Kugel.
Mit diesem Artikel möchte ich dir mitgeben, dass egal wo du gerade stehst oder welche Möglichkeit du wählst. Du bist nie allein. Es gibt immer Menschen, die an demselben Punkt stehen und ähnliche oder gleiche Themen haben wie du. Es gilt, während dem Prozess offen zu bleiben und sich bei Bedarf auch professionelle Unterstützung zu holen, wie auch immer diese für dich aussieht.
Bevor ich diesen Artikel mit einem meiner Lieblingszitate beende, kommt hier noch ein besonderer Punkt. Auch, wenn der Weg an manchen Stellen schwer ist, wird er dich am Ende belohnen. Die Belohnung kann für jeden Menschen anders aussehen. Für den einen ist die Belohnung ein Traumleben, für die andere mehr Selbstvertrauen und Selbstwirksamkeit. Wiederum andere finden durch ihn zu Fülle und Reichtum.
Was er dir in jedem Fall bringt, ist innere Klarheit. Denn alles beginnt in dir.
«Die einzige Konstante im Leben ist die Veränderung.»
Heraklit
